Was versteht man unter Kieferorthopädie

Die Kieferorthopädie oder auch Orthodontie beschäftigt sich mit der Prävention, Diagnose und Korrektur von Kiefer- und Zahnfehlstellungen sowie mit der Behandlung fehlerhaft ausgerichteter Biss-Muster. In diesen Bereich gehört auch die dentofaziale Orthopädie, bei der es um die Veränderung das Gesichtswachstum geht. Die Kieferorthopädie ist ein Teilbereich der Zahnmedizin und wird auch als Dento-Maxilläre Orthopädie (Kieferregulierung) bezeichnet. Vor allem in nichtdeutschsprachigen Ländern findet dieser Begriff Anwendung.

Eine von der Norm abweichende Ausrichtung des Kiefers und der Zähne kommt verhältnismässig häufig vor. Laut einer US Studie leiden fast 50 Prozent der Bevölkerung unter Gebissanomalien, die so schwerwiegend sind, dass eine kieferorthopädische Behandlung angebracht und hilfreich wäre. Allerdings sinkt dieser Prozentsatz auf weniger als zehn Prozent, wenn es um medizinisch notwendige kieferorthopädische Behandlungen geht. Es fehlen klare wissenschaftliche Beweise dafür, dass diese kieferorthopädischen Massnahmen tatsächlich gesundheitliche Vorteile bewirken. Diese Tatsache haben die wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Berufsverbände auf dem Gebiet der Kieferorthopädie bisher nur verhalten eingeräumt.

Die Behandlung kann sich über mehrere Monate bis mehrere Jahre hinziehen. Dabei verwendet die Orthodontie Zahnspangen und weitere Hilfsmittel, um die Zähne und Kiefer langsam in die gewünschte Richtung zu bewegen. Wenn der Fehlbiss sehr schwer ist, kann eine Kieferoperation notwendig werden. Idealerweise sollte eine kieferorthopädische Behandlung eingeleitet werden, bevor der Patient das Erwachsenenalter erreicht. Die Knochen können im Kindesalter sehr viel leichter bewegt werden als die von Erwachsenen.

Die kieferorthopädische Diagnostik

Egal, mit welchem Problem ein Patient den Kieferorthopäden aufsucht, seine erste Aufgabe ist eine umfassende Zahndiagnostik. Zunächst wird er eine ausführliche Anamnese erstellen, die den allgemeinen Gesundheitszustand sowie die zahnärztlichen Hintergründe zusammenfasst. Er wird im Übrigen den Zustand der Zähne und des Ober- und Unterkiefers sowie die ätiologische Patientensituation untersuchen.

Anhand der klinischen Untersuchung und Funktionsanalyse und mithilfe eines Zahnabdruckmodells des Patienten kann er sich ein genaues Bild seines Zahn- und Kieferzustands machen. Wenn der Zahnarzt nicht schon dafür gesorgt hat, wird er in der Regel auch eine Röntgenaufnahme anfertigen, um die Analyse abzurunden. Mithilfe all dieser Untersuchungen werden unter anderem die Kieferrelation sowie die Lagebeziehung zwischen Oberkiefer und Unterkiefer, dargestellt. Auch die allgemeine Zahnentwicklung, das Dentititionsstadium, wird mit einbezogen.

Nach Abschluss dieser umfassenden Diagnostik kann der Kieferorthopäde die nötigen Schritte für die Behandlung des Patienten in Bezug auf die Kieferrelation, den Zahnstand und das Zusammenwirken von Ober- und Unterkiefer planen. Beispielsweise wird er möglicherweise vorbeugend oder therapeutisch zu einer Zahnspange oder aufgrund ungünstiger dentoalveolärer Befunde zu einem chirurgischen Eingriff raten.

Was ist der Unterschied zwischen einem Zahnarzt und einem Kieferorthopäden?

Kieferorthopäden und Zahnärzte helfen ihren Patienten auf unterschiedliche Weise, ihre Mundgesundheit zu verbessern. Der Zahnarzt befasst sich speziell mit den Zähnen, dem Zahnfleisch, den Nerven und dem Kiefer. Das Spezialgebiet des Kieferorthopäden, das einen besonderen Bereich der Zahnmedizin umfasst, konzentriert sich auf die Biss-Korrektur und Begradigung der Zähne bei falscher Wuchsrichtung sowie auf die Korrektur von Okklusion (abnormaler Kontakt der oberen Zähne mit denen des Unterkiefers).

Welche Behandlungsmethoden wendet der Kieferorthopäde an?

Bei Fehlstellungen der Zähne, die schief gewachsen sind und nicht richtig zusammenpassen, arbeitet der Kieferorthopäde häufig mit Zahnspangen. Dabei werden kleine Metall- oder Kunststoffteile an die Zähne geklebt und durch feine Drähte miteinander verbunden. Dank dieses Verfahrens lässt sich die Zahnstellung korrigieren und der Biss des Patienten wird ausgerichtet. Die Ursache solcher kieferorthopädischen Fehlstellungen liegt häufig an einem falsch proportionierten Kiefer.